Thorsten und ich frühstücken manchmal gemeinsam, meist bei ihm, ab und zu auswärts, seltener bei mir, denn er findet meine Küche zu klein und meine Auswahl an Utensilien nicht ausreichend. ("Was, du hast nicht mal ein Käsemesser?") Mir ist das nur recht, denn so bin ich selten gezwungen, meine Wohnung thorstenkompatibel herzurichten.
Heute Morgen läutete ich bei ihm, in der Hand eine Tüte mit Brötchen vom Eckbäcker, die noch warm waren.
"Guten Morgen", sagte Thorsten. "Oder wie auch immer man das nennen will."
Er sah so verschlafen aus, wie ich mich fühlte. So geht es uns oft nach einer Schicht in der Bar. Er nahm mir die Tüte ab und deutete auf den Stuhl, auf dem ich gewöhnlich sitze. Keine Minute später brachte er mir eine Tasse heißen Kaffees, um gleich darauf wieder in der Küche zu verschwinden. Ich habe mir abgewöhnt, ihn zu fragen, ob er meine Hilfe benötige, denn seine Antwort war noch nie eine andere als: "Nein, ich mach das schon."
Stattdessen nutze ich nun stets die Zeit seiner Abwesenheit, um meinen Flachmann aus der Handtasche zu ziehen, ihn aufzuschrauben und einen kräftigen Schluck Rinderblut in den Kaffee zu gießen. (Das Blut habe ich mit Natriumcitrat vermengt, um es am Gerinnen zu hindern.)
Nachdem Thorsten den Tisch gedeckt hatte - Brötchen im Brotkorb, Käse, Tomaten, hausschlachtene Wurst, Meerrettich, Marmeladen und, obwohl Teil des Wursttellers, eine eigene Erwähnung wert: Blutwurst - setzte er sich zu mir an den Tisch. Wir stießen mit unseren Kaffeetassen an, dann tranken wir. Thorsten verbrannte sich die Zunge wie so oft. Ich erhob mich und lief zu seinem Schreibtisch, um die Wasserflasche zu holen, die zwischen der Tiffanylampe und dem Laptop stand. Nachdem ich ihm die Flasche gegeben und er einen Schluck daraus genommen hatte, nickte er und sagte: "Danke."
Ich schnitt ein Brötchen auf, belegte eine Seite dick mit Blutwurst und klappte es wieder zusammen. Bevor ich hineinbiss, sagte ich: "Die Lampe passt nicht zu dir."
Er lächelte verschmitzt. "Ich habe sie aber gewonnen."
Das hat er in der Tat. Bei der einzigen Gelegenheit, in der es ihm gelang, eine Partie Halma gegen mich zu gewinnen.
 



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